KI-Marathon bei Kilometer 5. Ist Ihr KMU schon gestartet?
«Wenn KI ein Marathon ist, dann sind wir bei Kilometer 5”», das sagt Alexander Ilic, Leiter des ETH AI Centers (Quelle: KI Handbuch von digitalswitzerland).
Auf diesen fünf Kilometern ist so einiges passiert: Text auf Knopfdruck. Bilder auf Zuruf. Video, das man kaum mehr von echt unterscheidet. Code, den niemand mehr selbst tippt. Agenten, die selbständig Termine vereinbaren und Offerten vergleichen.
Was kommt also noch? Niemand weiss es genau. Aber das Tempo ist hoch: jede Woche ein neues Tool, jeden Monat ein Feature, das vor einem Jahr noch Zukunftsmusik war.
Und trotzdem stehen viele noch an der Startlinie
Laut AXA KMU-Arbeitsmarktstudie 2025 nutzten 2024 noch 45 Prozent der Schweizer KMU KI gar nicht. 2025 sind es noch 29 Prozent. Fast ein Drittel steht also noch am Start.
Häufig höre ich: «Wir warten noch ab.» Typisch schweizerisch. Aber worauf genau?
Die meisten scheinen darauf zu warten, dass es «besser» wird. Dass das Tagesgeschäft weniger hektisch ist, dass mal Zeit bleibt, sich mit KI zu beschäftigen. Sie wissen es genauso gut wie ich: Es wird nie besser.
Tools sind nur die Schuhe
Beim Marathon machen auch die teuersten Schuhe aus Ihnen keinen Läufer. Schuhe sind wichtig, aber nur mit Schuhen allein läuft man noch keinen Marathon. Es braucht einen Plan. Und Biss.
Bei KI ist es dasselbe. Die Tools sind gewissermassen die Schuhe. Die IT kauft sie ein, organisiert Lizenzen, plant den Roll-out. KI ist kein IT-Projekt, sondern ein strategisches Projekt. Es braucht einen Umsetzungsplan, und der gehört in Chefhände.
Der Trainingsplan: drei Säulen
Ein Trainingsplan hat drei Säulen: Training, Ernährung, Erholung. Bei KI genauso. Dabei handelt es sich um strategische Fragen, die auf Geschäftsleitungsebene besprochen werden müssen.
Eins: Das Warum. Beim Marathon heisst es nicht «ich will laufen», sondern «unter vier Stunden». Bei KI dasselbe: nicht «etwas mit KI machen», sondern «30 Prozent mehr Aufträge einholen» oder «Reklamationen halbieren». Weniger als ein Fünftel der KI-Pilotprojekte schafft es in die Produktion (Quelle: KI Handbuch von digitalswitzerland). Ohne klares Ziel landet Ihres bei den achtzig Prozent, die nie live gehen.
Zwei: Regeln. Beim Marathon muss man die Strecke einhalten, sonst wird man disqualifiziert. Auch bei KI müssen Regeln definiert werden: Was ist erlaubt, und was nicht? Welche Tools nutzen wir, welche nicht? Welche Daten dürfen in welches Tool? Ein bis zwei Seiten reichen. Aber sie müssen existieren. Eine Muster-KI-Richtlinie zum Anpassen gibt es auf meiner Website.
Hier Muster-Richtlinie herunterladen
Drei: Mit Widerstand rechnen. Bei Kilometer 30 will der Kopf aufgeben. Bei KI kommt der Widerstand von den Mitarbeitenden. Werde ich überflüssig? Wenn Sie dazu schweigen, reden andere. Die WhatsApp-Gruppe. Der Kollege beim Mittagessen. Und das prägt die Stimmung in Ihrer Firma.
Niemand startet mit 42 Kilometern
Niemand läuft direkt 42 Kilometer. Man trainiert zu Beginn mit kurzen Strecken und steigert sich dann langsam.
Bei KI ist das genauso: Klein starten. Suchen Sie eine Aufgabe, die wirklich nervt.
Dann der Schritt, der oft übersprungen wird: Schärfen Sie den Prozess, bevor Sie ein Tool suchen. Braucht es diesen Prozess überhaupt noch? Lässt er sich vereinfachen? Kann die Aufgabe mit einem bestehenden Tool abgebildet werden? Erst wenn die Antwort heisst «dafür brauchen wir KI», lohnt sich eine Lösung.
Bauen Sie eine erste Version der Lösung und testen Sie sie zwei Wochen lang. Was funktionert, was nicht? Wenn es funktioniert, können Sie die Lösung ausbauen, verfeinern oder den nächsten Anwendungsfall angehen. Funktioniert es nicht: Lehren ziehen und weiter zum nächsten Anwendungsfall.
Drei kleine Lerntests bringen mehr als ein teures Strategiepapier.
Ein Praxisbeispiel sehen Sie in diesem kurzen Video. Es zeigt, wie Sie eine komplexe Offerte als interaktives Dashboard darstellen.

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Sie haben diesen Text bis hierher gelesen. Damit sind Sie ein paar Minuten weiter als alle, die noch zuschauen. Diese Minuten nützen nichts, wenn Sie morgen denken: «Ich fange nächste Woche an.» Beim Training funktioniert das nicht. Bei KI auch nicht.
Starten Sie heute:
- Finden Sie einen Anwendungsfall, der wirklich nervt.
- Schärfen Sie den zugehörigen Prozess.
- Legen Sie die Regeln rund um Tools und Daten fest.
- Legen Sie los.
Wenn Sie Unterstützung brauchen: Mit dem KI-Klarheit-Programm unterstütze ich Sie und Ihr Unternehmen beim KI-Einstieg.
Kurz gefragt, kurz geantwortet
Wann sollten Schweizer KMU mit KI starten? Jetzt. Laut AXA KMU-Arbeitsmarktstudie 2025 ist der Anteil der KMU, die KI gar nicht nutzen, innerhalb eines Jahres von 45 auf 29 Prozent gesunken.
Was ist der erste Schritt? Kein Tool kaufen. Einen Anwendungsfall finden und zuerst den Prozess schärfen. Erst wenn klar ist, dass es KI braucht, lohnt sich die Tool-Auswahl.
Ist KI im KMU ein IT-Projekt? Nein. KI ist ein strategisches Projekt und gehört auf die Geschäftsleitung. Die IT kauft die Schuhe. Laufen müssen Sie selbst.
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